Schreibblockade! Oder: Die Reise zu uns selbst

Ich sitze hier auf unserer Terrasse im Buritara Resort und habe eine Blockade. Schon lange werdet ihr auf den nächsten Blogartikel warten. Unsere Zeit in Ubud auf Bali und in Ao Nang in der Provinz Krabi in Thailand liegt schon hinter uns und wir haben sehr viel erlebt, vor allem die wunderschöne Natur hat uns in Staunen versetzt. Dennoch besteht so eine Reise natürlich nicht nur aus schönen Momenten. Als Familie und als Paar kommt man zeitweise an seine Grenzen. Zeit für uns selbst, Zeit für uns als Paar gab es wenig in den letzten Wochen. Die Reise bietet die Möglichkeit zu einem Weg zu uns selbst. Wir wollen entdecken, welche Wünsche und Träume wir für unser weiteres Leben haben und wie wir in Zukunft als Familie leben möchten. Zurück in das alte, klassische Leben: die Eltern gehen arbeiten, die Kinder sind in den Einrichtungen Kindergarten und Schule verteilt, wir bewohnen ein (Reihen-) Häuschen. Nein, dass widerstrebt uns im Moment. Wieso um alles in der Welt sollte das Leben darin bestehen, die Zeit getrennt von seiner Familie, getrennt von seinen Lieben zu verbringen? Welchen Sinn soll es haben, das beide arbeiten müssen? Nur damit man sich ein Zweitauto, drei Urlaube im Jahr und das tolle Haus leisten kann? Was würde bei den Kindern hängen bleiben? Das Materielles wichtiger ist, als den Tag gemeinsam zu verbringen? Das ist ein wunder Punkt bei mir. Tränen steigen in meine Augen, als ich diese Sätze schreibe. Ich habe für mich eine Antwort gefunden: die Zeit mit meinen Lieben zu verbringen ist für mich wertvoller, als jeglicher materieller Besitz. Die Momente auf unserer Reise sind so wundervoll für mich und auch wenn sich meine Grenzen immer wieder aufzeigen, bin ich so dankbar für die wertvollen Erfahrungen, die wir machen dürfen. Die positiven und die negativen. Das Leben besteht nicht nur aus rosa Wolken und Sonnenschein. Auch nicht auf Bali und in Thailand. Das Leben lehrt uns besonders hier viele Dinge. Wir wachsen täglich, die Geschwister untereinander und wir als Paar und Eltern. Es gibt Tage, da flutscht es nur so und wir lachen, spielen, kochen gemeinsam, fahren mit den Roller durch die Straßen und fühlen uns frei. Da springen die Kinder durch hohe Wellen im Meer und juchzen und kreischen. Dann hüpft mein Herz vor Freude, ich genieße das Meeresrauschen und das Farbspiel der Sonnenuntergänge. Dann weiß ich, dass unsere Reisepläne genau richtig waren, für alle gemeinsam. Aber ebenso gibt es Tage voll mit Tränen, mit schlechter Laune, mit Streitereien, mit Sehnsucht. In solchen Momenten würde ich mich am liebsten unter die Decke verkriechen und meiner Traurigkeit freien Lauf lassen. Dann vermisse ich unsere Freunde und Familie und jemanden, den ich mein Herz ausschütten kann, der mich kennt, der mich versteht und mich in den Arm nimmt. Da sind dann Zweifel und Bedenken, vor allem was die Reisezeit mit unserer großen Tochter anbelangt. Ihr fehlen ihre Freunde ungemein. Natürlich war uns von vor herein klar, dass es ein riesen Experiment für uns alle ist. Dennoch hatten wir beschlossen, dass sie in dem Alter einfach zu uns gehört und dieses Abenteuer mit uns erleben soll. In der Zwischenzeit gab es viele Gespräche und wir haben Kompromisse ausgehandelt. Eltern sein heißt halt auch, die Kinder irgendwann los zu lassen und sich im klaren darüber zu werden, in wie weit man selbst für Kompromisse den Kindern zu liebe bereit ist. Einem Teenager kann man nicht seine Träume überstülpen, wenn sie sich absolut wehren. Irgendwann ist es an der Zeit, die Kinder frei zu geben und entweder sie kommen freiwillig zurück oder entscheiden sich für ein anderes Leben. Oder ich muss mein Lebensentwurf ändern und ihn doch an das Kind anpassen. Wobei es in einer Großfamilie schwieriger ist, dass die Kinder verschiedene Vorstellungen haben. So ist es. Es hinzunehmen als gegeben ist der erste Schritt. Das Leben gibt uns Möglichkeiten und alles ergibt im Nachhinein seinen Sinn. Wir sollten alle lernen, im Hier und Jetzt zu leben. Viele Ängste und Gedanken kreisen um die Vergangenheit und die Zukunft. Dabei kann man nur das Jetzt beeinflussen. Niemand weiß, was morgen sein wird. Ich versuche dies meiner Tochter nahe zu bringen, aber in dem Alter hat man einfach andere Gedanken und Prioritäten. Ja, auch dass muss ich akzeptieren. Ich bin gespannt, welche Kompromisse wir zusammen finden und welchen Weg wir gehen werden. Sicher ist: Wir werden alle Wachsen und Zusammenrücken.

So und nun sprudelten diese Worte einfach aus mir raus und haben mein Herz berührt. Was die Zukunft für uns als Familie bringen wird, weiß ich nicht. Doch fühlt es sich richtig an, hier im Paradies (okay, hier wütet gerade der Monsun 😉 gemeinsam mit seinen Kindern und dem Partner wachsen zu dürfen und einfach zu leben. Das Leben miteinander zu verbringen, statt getrennt voneinander. Und dann ist da diese Dankbarkeit, diese Chance ergriffen zu haben und nutzen zu dürfen.

Ja, auch im Paradies gibt es Regenwolken (im Moment sogar wörtlich genommen sehr viele), aber ich kämpfe nicht gegen sie, sondern stelle mich ihnen. Denn sie machen mich zu dem Menschen, der ich bin, der ich sein werde. Danke für alles, liebes Universum. Ich liebe das Leben, ich liebe meine Familie.

In diesem Sinne von Herzen alles Liebe für euch. Ich wünsche mir, den ein oder anderen zum Nachdenken angeregt zu haben. Nutzt das Leben. Nutzt die Zeit mit euren Kindern. Im Hier und Jetzt.

Mandy

P.S. Wer aktuelle Bilder und Videos sehen mag, kann gern unseren Youtube- Kanal besuchen.

2 Comments

  1. Veröffentlich von Nadine am 6. Dezember 2016 um 08:19

    Liebe Mandy,

    ein sehr schöner Text, der genau dass beschreibt, was man als Familie auf Reisen erlebt. Die vielen Höhen und Tiefen schweißen zusammen und machen als Familie belastbarer – ein durchaus positiver Punkt. Das wäre in einem Reihenhäusschen so wohl nie passiert 🙂 Wir wünschen euch alles Gute auf eurer Reise und dass der Regen bald aufhört 😉

    Ganz liebe Grüße,
    Nadine



    • Veröffentlich von Enrico Otto am 9. Dezember 2016 um 03:40

      Danke liebe Nadine 🙂