Über den Monsun in Thailand und unser Clanleben auf Koh Phangan

Wow, was war das für ein Regen die letzten Tage. Ja, es ist gerade Regenzeit im Süden von Thailand. Laut diverser Reiseberichte sollte eigentlich im November der Höhepunkt der Regenzeit erreicht gewesen sein. In Ao Nang war das Wetter so, wie wir es uns vorgestellt hatten: es regnete aller zwei bis drei Tage und das meist auch nicht länger als eine Stunde am Stück. Natürlich gab es teils kräftige Regenschauer, es regnete auch mal einen ganzen Vormittag. Aber wir hatten zwischendurch immer die Möglichkeit, mit dem Roller trocken an unser Ziel zu kommen und uns mobil zu bewegen. Auf Koh Phangan angekommen, war die ersten Tage das Wetter sehr angenehm: die Sonne blinzelte durch die ansonsten vorherrschenden Wolken, es waren angenehme 28 Grad und damit das perfekte Wetter. Nach ein paar Tagen fing es dann an mit dem Regen. Nicht nur kurze Schauer gab es, sondern es regnete den ganzen Tag, die ganze Nacht und das nicht nur leicht, sondern sehr kräftig. Kaum einer traute sich raus, wir versuchten die Kinder in den Bungalows zu beschäftigen veranstalteten Bastelnachmittage und stellten eine Kinovorstellung auf die Beine. Die Kinder backten Crepes und verkauften sie. Papierschiffchen wurden gefaltet und auf den Wasserrinnen schwimmen gelassen. Neue Bademöglichkeiten in riesigen Pfützen taten sich auf. Nach zwei Tagen Regen kursierten auf Facebook Bilder vom überfluteten Koh Samui, Bahnstrecken in Thailand waren unterspült wurden und auch Koh Phangan wurde zum Katastrophengebiet ernannt. Dabei war es hier doch gar nicht so schlimm. Außer das zehn Meter lange Schlammloch, was das passieren mit dem Motorroller teilweise erschwerte, waren die Straßen gut befahrbar. Dienstag Abend war es sogar recht mild und regenfrei, ebenso wie die Nacht zum Mittwoch. Wir waren alle guter Hoffnung. Leider begann es dann am Mittwoch Morgen so stark zu regnen, dass binnen einer Stunde rauschende Wassermassen an unserem Bungalow zum Fluss flossen.

Der Fluss stieg immer höher, viel Müll, sogar Waschmaschinen und Kühlschränke waren im Fluss zu sehen und irgendwo mitgerissen wurden. Als gegen neun Uhr die Ressortangestellten vor unserer Tür standen und sagten, wir sollen unseren Bungalow aufgrund der umfließenden Wassermassen verlassen, wurde uns auch anders zu Mute. Sie sagten, so einen Regen gab es seit sechs Jahren nicht mehr. Die angespannten Gesichter der Einheimischen führten keineswegs zur Beruhigung bei uns. Wir versammelten uns alle im oben liegenden Restaurant und flüchteten in die stabileren Bungalows, welche nicht umspült wurden. Die Männer räumten alle Sachen aus den evakuierten Häusern, wir durften alle trockene, sichere Unterkünfte beziehen. Der Strom war in der Zwischenzeit auch ausgefallen. Und da saßen wir und betrachteten die Wassermassen mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Nun waren wir doch mittendrin im Katastrophengebiet. Nachrichten an die Familie wurden gesendet, dass es uns gut geht und wir die Lage ausharren müssen. Das Restaurant hatte zum Glück noch genügend Lebensmittel und kochte mit Gasflaschen leckeres Essen für uns alle. Am Nachmittag wurde der Regen weniger, das reißende Wasser um unsere Häuser war weg, da der ursprüngliche Weg des Wassers wieder benutzbar gemacht wurde. Der Flusspegel war gesunken. Erleichterung ist zu spüren. Am Abend zeigte sich sogar noch einmal die Sonne, bevor sie hinter den Bergen verschwand. So plötzlich wie der Regen gekommen war, war er am nächsten Morgen wieder weg. Ein wunderschöner, sonniger Tag wartete auf uns und tat unseren Gemütern so gut. Wir fuhren zusammen mit vielen weiteren Familien in ein leckeres Restaurant und zu einem wunderschönen Strand. Überall auf der Insel waren aber die Auswirkungen des Regens sichtbar. Die Einheimischen waren sehr bemüht, wieder schnellstmöglich Normalität zu schaffen. Es beginnt bald die Hauptsaison auf der Insel und dann soll alles wieder schön sein. Wir hoffen alle sehr, dass dieser heftige Regen die Ausnahme war und wir in den nächsten Wochen von Dauerregentagen verschont bleiben. Ab und zu ein Regenschauer ist angenehm, so heftigen Regen braucht wohl keiner mehr.

Wie hat ein Freund geschrieben: Wer eine Reise macht, hat etwas zu erzählen. Ja, dass haben wir jetzt umso mehr. Passieren kann immer und überall etwas. Im Paradies von Thailand ebenso wie in Deutschland. Wir sind froh, aus der Situation heil rausgekommen zu sein und brauchen solch ein Abenteuer nicht so schnell wieder.

Ansonsten ist Koh Phangan eine wunderschöne kleine Insel im Golf von Thailand. Wir werden insgesamt zwei Monate hier verbringen und bewohnen mit vielen Reisefamilien aus Deutschland und Österreich ein Ressort im Norden der Insel. Es ist so fantastisch: Wir haben einen wunderschönen Pool, dahinter direkt den Stand und das Meer. Die Kinder können sich frei bewegen, haben Freunde zum Spielen und genießen das Leben. Und wir Erwachsenen haben Zeit zum Plaudern, holen uns Inspiration und lassen die Seele baumeln. Wir fühlen uns wohl hier, sehr sogar und haben gemerkt, dass wir eine Gemeinschaft brauchen, um uns wohler zu fühlen. Was das für unsere Zukunft bedeutet, wissen wir noch nicht. Aber wir sind dankbar, dieser Erkenntnis bekommen zu haben. In der nächsten Zeit werden immer mehr Familien dazukommen, so dass wir zu Weihnachten mit 20 Familien mit insgesamt 50 Kindern um den in den Strand gemalten Tannenbaum sitzen und Geschenke verteilen werden. Der Nikolaus kam ja auch schon nach Thailand, wieso sollte der Weihnachtsmann unsere Kinder nicht erreichen 😉 Ansonsten bekommen wir hier nicht viel mit von der Weihnachtszeit. Weihnachtsstimmung kommt bei 28 Grad  auch nicht auf. Die Kinder äußern immer mal Gedanken, dass sie den Weihnachtsmarkt, die Kerzen, die Leckereien vermissen. Wir Eltern sind uns einig: Den Winter in den Tropen zu verbringen, war eine gute Entscheidung und wir bereuen keine Sekunde unsere Entscheidung. Wir werden berichten vom Fest der Liebe unter Palmen.

Liebe Grüße

Mandy