Unsere Rückkehr nach Deutschland und meine Wankelmütigkeit

Seid fast drei Monaten leben wir im Wohnmobil auf engstem Raus zusammen. Aber zurück zum Anfang.

Rückkehr nach Deutschland

Der April war geprägt von Familien- und Freundesbesuchen, Neuorientierung und Gedankenchaos im Kopf.

Ursprünglich wollten wir maximal zwei Wochen in Sachsen bleiben, unser Wohnmobil beladen, Menschen treffen und weiter reisen. Der Plan ging nicht ganz auf.

Die erste Woche war vor allem ich wie gelähmt. Ich wäre am liebsten in Selbstmitleid zerflossen. Eine anderer Möglichkeit wäre ein Rückflug nach Thailand gewesen, um meine Traurigkeit wegzumachen. Ja richtig, ein Rückflug, keinen Hinflug. So fühlte es sich an. Es überforderte mich alles: die Menschen, die alten Plätze, die Anfragen von Freunden. Ich war verloren in einer Welt, die mir doch so bekannt sein musste, mir aber so unbekannt vorkam. Sieben Monate war ich in Asien, habe wunderschöne Natur gesehen, tropische Temperaturen genossen und jeden Tag leckere Früchte gegessen. Die Menschen lächelten ein offen ins Gesicht, die Kinder waren immer willkommen, durften barfuss und nackig herumlaufen, sich frei bewegen und sein, wie sie sind. Keine Anpassung war nötig. Meine Seele bekam Zeit zum Baumeln, ich tauschte mich mit Gleichgesinnten aus, die mir nach kurzer Zeit so nah standen und ich musste mich nicht rechtfertigen und mein Leben nicht begründen.

Schwierigkeiten in der Planfindung

Hier in Deutschland wurde ich schon auf dem Weg vom Flughafen zu meinen Schwiegereltern wieder eingeholt, von der deutschen Schnelllebigkeit und vom Egoismus. Jeder war auf sein Recht bedacht, es hupfte (und das nicht wie in Bali, um im Positivem auf sich aufmerksam zu machen. Es war ein belehrendes Hupen: Ich habe Recht, macht Platz für mich. Oder: Du hast etwas falsch gemacht. Schrecklich.) Dann ging es weiter: ich musste mich für unser Essen rechtfertigen, durfte mir Belehrungen anhören, warum das nicht gut für die Kinder ist. Die Schulfreiheit meiner Kinder wurde nicht geduldet, sondern musste immer wieder aufs Neue begründet werden. Obwohl ich natürlich gar nichts muss. Ich habe mich in die Enge treiben lassen und mich dazu verpflichtet gefühlt. Dabei bemerkte ich irgendwann, dass ich in den Themen einfach nicht gefestigt genug bin. Denn je überzeugter ich bin, umso weniger bin ich angreifbar. Dann steh ich wie ein Fels in der Brandung und es prallt ab an mir. Daran muss ich wohl noch arbeiten. Ich merkte, dass ich für mein Wohlergehen zuständig bin und dafür Sorge zu tragen habe. Also suchten wir einen Platz, wo wir mit unseren Wohnmobil stehen konnten, ohne dauernd negative Energien aufzunehmen (und vielleicht auch aussenden). Wo wir so sein durften, wie wir sind. Wo wir uns nicht erklären müssen. Wo unsere Gedanken sein dürfen und nicht bewertet werden. Wir trafen uns mit Menschen, die uns auf diesen Weg begleiten und die uns akzeptieren. Erst dadurch war es möglich, wieder klare Gedanken zu fassen und wirklich herauszubekommen, was WIR wollen. Denn der ursprüngliche Plan, schon nach wenigen Tagen weiterzureisen, fühlte sich auf einmal falsch an. Viel zu viele Dinge kamen hoch und wollten angeschaut werden. Vor allem meine Wankelmütigkeit machte es mir schwer und so wurde jeder Tag aufs neue eine Herausforderung und unsere Pläne änderten sich manchmal stündlich. Einzig und allein das Wetter war so, dass wir am liebsten früher als später weitergereist wären. Aber dem mussten wir uns aussetzen, um nicht wieder vor etwas davon zulaufen. Zuerst musste ein Entschluss gefasst werden. Nach vielen Gesprächen, einem Familienstellen und Zeiten der Ruhe entschieden wir uns bewusst: Wir wollen weiter Reisen. Die Angebote, einen Hof mit zubeziehen, die plötzlichen freien Plätze an einer freien Schule, der hochkommende Wunsch, nach einem Ort zum Bleiben machten uns die Entscheidung nicht leicht. Dennoch haben wir uns bewusst für diese Reise entschieden. Diese Dinge zeigten uns nur: wenn wir unseren Wunsch, wieder anzukommen und uns niederzulassen uns übermannt, werden sich Türen öffnen. Dann gibt es Orte dafür, dann gibt es Menschen, die uns mit offenen Armen in Empfang nehmen und dann gibt es Möglichkeiten des freien Lernen und Lebens für die Kinder. Dann wird es berufliche Chancen geben. Dieses Vertrauen ist so wertvoll. Vertrauen in das Leben. Vertrauen in uns. Es wird, wie es wird. Es wird schön, wir werden glücklich. Wir werden leben. Punkt.

Die Reise geht weiter

Doch jetzt steht es noch nicht auf dem Plan. Viel zu schnell werden wir ansässig werden, wenn wir uns dafür entscheiden. Und der Wunsch ist nicht nur in uns vorhanden, auch in unseren Kindern. Dann werden wir uns unser Bullerbü erschaffen. Mit allen Konsequenzen und Möglichkeiten. Denn egal wie es wird. Wir haben Erfahrungen gesammelt, verschiedene Länder gesehen, sind in Kulturen eingetaucht und haben Freunde gefunden. Durften lernen von anderen. Konnten uns verschiedene Lebensmodell anschauen. Und treffen dann bewusst UNSERE Entscheidung für UNSER Leben. Bis dahin genießen wir unsere gemeinsame Zeit. Wir freuen uns, so viele wunderschöne Plätze mit unseren Kindern entdecken zu dürfen, in Mitten der Natur zu stehen, gemeinsame Abende am Strand, unterm Sternenhimmel zu erleben, Berge zu besteigen, in Flüssen zu baden,durch Städtchen zu schlendern.

Wir genießen jeden Augenblick und noch viel mehr. Denn unser Leben findet jetzt statt. Nicht gestern und nicht morgen. Jetzt. Aufkommende Panik, wie unser Leben weiter gehen soll, ob Schulfreiheit wirklich unser Weg sein wird, wie es beruflich weiter gehen wird, versuchen wir anzunehmen und auszuhalten. Denn wir können nicht wissen, was morgen ist, wir können nicht wissen wie es sich in einem Monat oder einem Jahr anfühlt. Wir wissen nur, dass es genau jetzt gut anfühlt, hier in Spanien zu sein, jeden Tag neu zu erleben und das Leben zu leben. Natürlich kommen immer wieder Ideen und Gegenseiten auf uns zu, wo wir neu überlegen, abwägen und neu entscheiden. Zum Beispiel hat sich ergeben, dass wir in Portugal zwei Monate ein Haus einer Freilernerfamilie beziehen dürfen. Wir werden für zwei Monate sesshaft, haben mehr Lebensraum und Zeit, unsere Projekte voranzutreiben. Können in die Kultur in Portugal eintauchen und andere Freilerner kennenlernen. Dann gibt es aber auch Möglichkeiten, die nicht umgesetzt werden können, auch wenn es sich im ersten Moment stimmig anfühlt. Da gibt es ein Wink mit dem Zaunpfahl und ich merke schnell, dass es JETZT doch noch nicht an der Reihe ist. Vielleicht im Herbst, vielleicht nächstes Jahr. Aber nicht jetzt.

Eure Mandy


Kommentieren