Windelfrei- Update nach einem Jahr Babyzeit

Unser Kleinster ist nun auch schon ein Jahr geworden und so möchte ich euch ein Update geben, wie es mit der Ausscheidungskommunikation weiter ging.
Wir haben das Glück, das erste Lebensjahr fast ausschließlich im Warmen verbracht zu haben. Dadurch wird windelfrei sehr viel einfacher möglich. Das nervige An- und Ausziehen entfiel fast
ausschließlich, unser Baby konnte auch oft nackig sein und wir konnten seine Signale gut kennenlernen.

Backups und Stoffwindeln

Als Backup haben wir am Anfang unsere selbstgenähten Backup Überhosen genommen. Da der Fleece in den Tropen aber schnell zu warm wurde, lag unser Baby zu beginn oft nackig auf einem Handtuch, welches bei Bedarf ausgetauscht wurde. So konnten wir es auch gut beobachten, wann es dann mal Pipi oder Kaka muss und seine Signale kennenlernen.

Unterwegs nutzten wir die gDiapers und kommen damit bisher super hin. Insgesamt sechs Überhosen in Gr. M und L haben uns begleitet und zehn bis 15 Mullwindeln als Einlage. Diese haben wir nach Benutzung mit Wasser ausgewaschen und in die Sonne gehängt. Die Mullwindeln trocknen sehr schnell, deshalb haben wir sie als Einlage favorisiert. Da beim Windelfrei eh keine allzu großen Mengen Urin aufgefangen werden müssen, reicht die Saugkraft aus. Falls ihr mal etwas länger unterwegs seid und die Stoffwindel längere Zeit halten soll, empfehle ich eine zusätzliche Einlage aus Hanf oder Bambus (z.B. von der Windelmanufaktur, damit haben wir gute Erfahrungen, aber es gibt noch unzählig andere Einlagen). Ein paar Prefolds von XKKO haben wir ebenso mit gehabt, aber da sie dicker sind, brauchen sie lang zum Trocknen und erwiesen sich für uns nicht als praktikabel.
Die gDiapers sind durch das System mit Innen- und Außenwindel individuell verwendbar. Meist musste nur die Innenwindel auswaschen werden, da sie abknöpfbar ist und die Außenwindel nicht beschmutz war. Die dünne Stoffauswindel trägt nicht auf, trocknet schnell und ist sehr angenehm zu tragen durch den Stoff. Besonders bei zarten Babys ist die gDiapers zu empfehlen, sie kann aber durch den Klettverschluss individuell angepasst werden. Gr. M passt bei unserem zarten Baby immer noch. Die Innenwindeln sind one size für Größe M-XL. Einziger Nachteil bei den gDiapers: Manchmal gibt es durch die Innenwindel mit ihren Druckknöpfen Abdrücke beim Baby. Je nach Körperbau des Kindes kann das also mehr oder weniger stören.

Die gDiapers im Langzeittest

Nun noch kurz zur Langlebigkeit der gDiapers. Unseren sechs Windelhosen sieht man den einjährigen Gebrauch an. Sie wurden oft getragen, auch ohne Hose drüber, da es zu warm dafür war. Sie sind schon etwas ausgeblichen durch die Sonne, sonst aber noch intakt. Bei den Innenwindeln (gPouches) sieht es anders aus. Das Material (100% Nylon) gibt so langsam seinen Geist auf und wenige Löcher und Materialermüdung am Rand (Bild) wurden schon festgestellt. Im Moment sind die Defizite noch nicht so schlimm und wir haben sie weiter im Gebrauch. Doch weiter verkaufen kann man sie wohl nicht mehr. Bei dem Preis aber weniger tragisch, wie ich finde. Für Wegwerfwindeln hätten wir ein vielfaches mehr ausgegeben.
Nachts nutzen wir nach wie vor die Wegwerfwindeln.

Windelfrei im Verlauf des ersten Lebensjahres

So nun zum eigentlichen Thema: windelfrei bzw. Ausscheidungskommunikation. Unser Baby zeigt immer sehr eindeutig an, wann es mal muss. Feste Zeiten waren immer nach dem Aufwachen. Das funktionierte immer. Als es noch kleiner war, haben wir immer nach dem Stillen abgehalten. Im Tragetuch bzw. in der Trage signalisierte es super und zappelte, bis wir es raus nahmen und die Möglichkeit der Erleichterung gaben. Eindeutige Signale waren leichtes knurren, brummen oder drücken. Selbst die Geschwister erkannten oft, wann das Baby mal musste. So spielte sich schnell eine Routine ein und viele kleine und große Geschäfte wurden im ersten Lebensjahr aufgefangen.

Töpfchen und andere Abhalteorte

Unseren Asiatopf hatten wir mit in Asien und nutzten bis zum 9. Lebensmonat. Bei Jungen natürlich etwas schwierig, dennoch machbar. Jetzt begleitet wir einen Ikeatopf im Wohnmobil, da das Baby nun stabil sitzt. In der freien Natur pinkelt es sich natürlich auch super, aber das funktioniert halt nicht überall. Babys schauen dann meist gespannt die Blätter oder Blumen an. Vor allem in der Zeit, wo sie eigentlich nicht mehr abgehalten werden wollen (war bei uns in der Zeit, als das Baby mobiler wurde und sich selbst fortbewegen konnte), sind sie so etwas abgelenkter und abhaltbereiter.

Schwierig wurde es, als wir zurück aus Asien kamen und es in Deutschland noch sehr kalt war. In dieser Zeit boten wir hauptsächlich zu den Wickelzeiten das Töpfchen an.

Fazit nach einem Jahr windelfrei

Der Vorteil von windelfrei ist wirklich, dass das Baby nie verlernt loszulassen, sondern seine Ausscheidung kontrollieren kann. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie es schon an der Abhaltestellung und dem Signalton erkennt, das er nun Pullern darf und drück und loslässt. Und da reicht es schon, dass Baby immer nach dem Schlafen abzuhalten. Dadurch behält es die Kontrolle darüber und verlernt es nicht.
In einer großen Familie ist es nicht so leicht, auf jedes Signal des Babys zu reagieren und es immer gleich abzuhalten. Daher waren bei uns so genannte „Unfälle“ an der Tagesordnung. Wenn wir uns aber bewusst machen, dass es gar nicht darum geht, 100% die Ausscheidungen des Babys aufzufangen, sondern viel mehr mit ihm in Kommunikation zu bleiben, erscheint es nicht so wichtig, wie viel nun wirklich aufgefangen wurde. Das Baby fühlt sich gehört, wenn wir bei einen für uns unerklärlichem Schreien oder Rumschimpfen reagieren und ihm die Möglichkeit geben, sich zu erleichtern und wir für uns ebenso gehört, wenn es beim Anbieten des Abhalten auch wirklich etwas ins Töpfchen macht. Es ist ein gegenseitiges Gewinnspiel und kann uns den Alltag mit Baby erleichtern. Weniger voll Windeln weniger Müll, weniger Windelwäsche und ein zufriedeneres Baby kann daraus resultieren. Es ist also immer einen Versuch wert.

Falls euch unserer Anfang von Windelfrei interessiert bzw. ihr an mehr Theorie interessiert seid, lest einen weiteren Artikel zum Thema windelfrei. Karolin hat von ihren Erfahrungen berichtet, denn jeder Weg ist individuell und nicht vergleichbar. Es ist manchmal dennoch hilfreich, sich Tipps zu holen, um den Babyalltag so angenehm wie möglich gestalten zu können und die Ausscheidungskommunikation nicht in Stress ausarten zu lassen. Wenn ihr Fragen habt oder eine individuelle Beratung benötigt, könnt ihr mich gern kontaktieren.

Alles Liebe, eure Mandy


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